
Vor zwei Wochen wurde das Lagebild Linksextremismus in Nordrhein‑Westfalen vorgestellt.
Im Bericht taucht ein Plakat der Veranstaltung „Green Anarchy – Was ist Grüner Anarchismus“ auf. Die Veranstaltung fand am 02.05.2025 in Bochum statt und wurde von der Initiative Fanny‘s and Fanny‘s für ein anarchistischen Zentrum organisiert.
Inhalt war eine kritische Auseinandersetzung mit Zivilisation und Anthropozentrismus.
Anthropozentrismus stellt Menschen über die restliche Mitwelt. Er ist zentral für die Vorstellung die „Natur“ beherrschen zu wollen und damit mitverantwortlich für die Zerstörung der globalen Ökosysteme.
Dies wurde teilweise richtig im Lagebild eingeordnet Die Einordnung als links und extrem ist aus Sicht der Initiative jedoch unpassend. Fanny‘s and Fanya‘s sieht sich in diesem Lagebericht daher fälschlich aufgeführt.
Hierzu erklärt Mitglied Leah Feldman:
„Fanny‘s and Fanya‘s steht konsequent für eine Gesellschaft ohne Herrschaft ein, dass tun viele linke Gruppen nicht. Zahlreiche im Lagebild erwähnte Gruppen aus dem marxistischen Spektrum streben eine Diktatur des Proletariats an. Was dies bedeutet haben wir in der DDR und Sowjetunion gesehen. Teil davon ist mehr Macht für Polizei, Geheimdienste und ein Ausbau der staatlichen Überwachung. In diesen Streben haben viele marxistische Gruppen mehr gemeinsam mit Herbert Reul und der restlichen NRW-Landesregierung als mit uns.
Wir lehnen es ab den Staat als Mittel zu nutzen. Für uns ist der Staat das Extrem. Er dient zur Absicherung der Herrschaft einer Elite auf Basis der Unterdrückung und Ausbeutung der restlichen Bevölkerung.
Zum Erhalt dieser Herrschaftsordnung üben seine Polizei und Militär massive Gewalt aus.
Ohne den Staat und den mit ihm verbündeten Institutionen wie Kapitalismus und Kolonialismus gebe es keine Klimakatastrophe, keine Armut und keine Kriege. Der Widerstand dagegen ist nicht extrem sondern freiheitlich. Eine freiheitliche Grundordnung kann es nur ohne Staat geben.“
Fanny‘s and Fanya‘s verweist außerdem darauf, dass ihre beide Namensgeber*innen Fanny Kaplan und Fanya Baron im Kampf gegen eine marxistische Diktatur ermordet wurden. Fanny Kaplan wurde hingerichtet, weil sie auf Vladimir Lenin schoss. Die Ermordung von Fanya Baron geschah ebenfalls auf Befehl Lenins.
Die Grundprinzipen der Gruppe beinhalten:
• Selbstbestimmung und Gleichwertigkeit alle Menschen
• Ablehnung jeder Menschenfeindlichkeit
• Dezentrale konsensorientierte Entscheidungsfindung durch alle Betroffenen einer Entscheidung
• Abschaffung jeder Herrschaft u. A. von Staat, Kapitalismus, Patriarchat, Kolonialismus und Ableismus
• Ende jedes Strafsystems einschließlich von Gefängnissen und Polizei
• Gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme bei Übergriffen
• Gewalt einzig als Mittel zur Selbstverteidigung gegen Unterdrückung und nicht zur Durchsetzung von Herrschaftsinteressen
• Ablehnung jedes Militär und militärischen Zwangsdienstes
• Das Ziel mit Konflikten, wenn immer möglich, unterdrückungs- und gewaltfrei umzugehen
Aus Sicht der Initiative handelt es sich hierbei um das Eintreten für ein wirklich freiheitliche und solidarische Grundordnung. Demgegenüber steht die staatlich demokratische Gesellschaftsordnung, welche Herrschaft („Kratie“) benötigt und daher nicht freiheitlich sein kann.
Die Benennung durch den Staat als zu bekämpfende politische Gegnerin ist somit inhaltlich folgerichtig. Sachlich korrekt wäre jedoch die Aufführung in einem eigenen Lagebericht Anarchismus und nicht die Einordnung linksextrem.
Kontaktdaten
Die Initative Fanny‘s and Fanya‘s steht der Presse für (anonyme) Interviews in schriftlicher, Audioform oder Videoform zur Verfügung. Kontaktieren sie uns hierzu gerne per Mail an fannysandfanyas@riseup.net
Mit vielen Grüßen
Die Initiative Fanny‘s and Fanya‘s für ein anarchistisches Zentrum Bochum