
Ende September planen wir unseren ersten solidarischen Stand in der Bochumer Innenstadt zu organisieren. Wenn wir das wiederholen und ausweiten können, könnte daraus auch ein kleiner wirklich, wirklicher freier Markt werden. Ziel ist es eine solidarische Alternative – langfristige Gegenseitige Hilfe in Bochum anzubieten und anarchistisches Inhalte zu verbreiten. Alles beim Stand wird ohne Tausch also gratis angeboten. Die Innenstadt als Ort wählen wir, um möglichst viele verschiedene Menschen zu erreichen. Mehr zum Konzept weiter unten.
Geld- und Sachspenden gesucht
Dafür suchen wir noch Lebensmittel- und Geldspenden. Neben unseren Büchern, wollen wir nämlich auch Lebensmittel – Essen und andere Verbrauchsgüter verteilen.
Wer uns dabei unterstützen mag, kann uns entweder per Mail (fannysandfanyas@riseup.net) oder über diese Signalgruppe einen (ausdruckbaren) Gutschein für einen Supermarkt oder Drogerie schicken (REWE und DM würden wir dabei aufgrund ihrer Lage in der Innenstadt bevorzugen). Ihr könnt uns aber auch physisch Gutscheine, Geld oder auch Lebensmittel übergeben. Das ist möglich bei unserem offenen Treffen (bei vielen Lebensmittel bitte kurz absprechen) am 11.09.2026 (in der Zeit von 15.00 – 16.30 Uhr) oder ihr macht mit uns was aus. Wenn ihr sie selbst kauft. sollten Lebensmittel vegan sein und wir möchten wegen dem hygienischen Aufwand erst mal nur Sachen, die nicht gekühlt werden müssen und nicht selbst zubereitet sind, teilen.
Menschen gesucht
Außerdem suchen wir noch Personen (mindestens eine mehr brauchen wir noch), die beim Stand mithelfen möchten. Bitte meldet euch dafür bei Interesse bis Ende August. Auch Per Mail (fannysandfanyas@riseup.net) oder durch die Signal-Gruppe.
Datum wird an einem Samstag Ende des Monats von ca. Mittags bis frühen Abend sein. Außerdem suchen wir langfristig auch nach Menschen, die sich vorstellen könnten, die entsprechende Versammlung anzumelden. Unser bisheriger Anmelder steht zunächst nur einmalig zur Verfügung. Die Orga jenseits der „Versammlungsleitung“ und Anmeldung übernehmen wir. Bei der Anmeldung können wir auch helfen. Sollte es durch die Polizei Stress (wovon wir nichts ausgehen) geben, haben wir Supportstrukturen im Hintergrund. Wir sind uns dabei bewusst, dass es ein Widerspruch ist Sachen beim Staat anzumelden, halten es aber aufgrund der aktuellen Machtverhältnisse für unrealistisch eine derartigen Stand aktiv ohne Anmeldung durchzusetzen. Alle die sich das wünschen – sorgt dafür, dass die lokale Bewegung wächst! Jetzt noch etwas mehr zum Konzept.
Tausch- und Eigentumsfrei
Sowohl unser Infomaterial (einschließlich Büchern) als auch alle Lebensmittel, die wir verteilen, verteilen wir ohne eine Gegen-“leistung“. Als wir wollen keine Geld dafür. Uns geht es darum, jene zu unterstützen, die etwas brauchen und allgemein die Logik von Eigentum zu bekämpfen. Als Anarchist*innen unterscheiden wir zwischen Eigentum und Besitz.
Eigentum ist das Recht etwas zu kontrollieren, dass mensch selbst oder zusammen mit anderen nicht direkt nutzt. Beispiel für Eigentum sind Fabriken und andere Produktionsorte, Wohnungen und andere Räume/Gebäude die vermietet werden und alles was dem Staat gehört (nein der Staat ist keine Verkörperung der Bevölkerung). Die Kontrolle über diese ermöglicht es Unternehmer*innen, Reichen, Vermieter*innen und den staatlichen Eliten die Arbeitskraft anderer Menschen – einschließlich uns auszubeuten. Als Anarchist*innen lehnen wir Eigentum daher ab.
Besitz hingegen bedeutet etwas konkret zu nutzen z. B. in einer Wohnung zu leben, in einer Fabrik zu arbeiten oder etwas auf Land anzubauen. Auch alltägliche Gebrauchsgüter Zahnbürsten, Betten, Kleidung etc. sind Besitz.
Besitz ist immer von den Menschen kontrolliert, die ihn konkret benutzen und Anarchist*innen lehnen ihn nicht ab. Also keine Angst wir planen nicht euch die Zahnbürsten wegzunehmen!
Solidarität heißt geben ohne zu bekommen
Wir wollen als keinen Eigentum und auch keinen Tausch. Denn auch hinter Tausch steht genauso wie hinter Eigentum eine Leistung- und Ausbeutungslogik – alle Menschen sollten ohne anderen etwas geben zu müssen genug haben um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Alles andere schafft Hierarchien in dem bewertet wird, ob Menschen genug arbeiten und wer für welche Arbeit was bekommt.
Das heißt aber auch wer Geld oder andere „Ressourcen“ hat auf die er*sie*they nicht angewiesen ist, kann oder eher sollte, auch ohne etwas dafür zu bekommen, diese solidarisch der Bewegung zur Verfügung zustellen.
Viele Projekte funktionieren leider nach einer Dienstleistungs- und Verkaufslogik,was in der jetzigen Gesellschaft verständlich ist, aber in dieser Hinsicht keine wirkliche Solidarität schafft.
Wir wollen daraus ausbrechen. Ihr bekommt von uns alles was wir geben können, aber wir erwarten auch das ihr gebt was ihr könnt.
Was wir jedoch tun, einfach weil auch unsere „Ressourcen“ begrenzt sind, ist die Menge von Gütern, die wir rausgeben zu rationieren. Das betrifft vor allem Bücher und Lebensmittel. Damit wollen wir Missbrauch und Sabotage verhindern.
Sollten wir darüber hinaus herausfinden, dass wer Sachen von uns weiterverkauft also nicht wie wir tauschfrei weitergibt oder direkt für sich nutzt, dann behalten wir uns vor der Person in Zukunft den Zugang zu unseren Gütern zu verweigern. Wir wollen den staatlich-kapitalistischen Markt schwächen, nicht ihn weiterverbreiten.
Rechtliche Aspekte
Es gibt dabei auch dabei zwei rechtliche Aspekte wegen den es besser ist keinen direkt oder indirekten Tausch zu haben:
1. Soweit wir bisher verstanden und recherchiert haben sichern wir uns dadurch, sollte wer uns Dinge mitbringen die durch illegale Methoden¹ wie Diebstahl von Staat und Kapitalismus (zurück)genommen wurden (selbstverständlich ohne unser Wissen), davor ab wegen Hehlerei verfolgt zu werden. Ob ihr sowas tut ist selbstverständlich eure Entscheidung (wir mischen uns in dieser Hinsicht nicht in eurer Leben und Entscheidungen ein). Wir bitten aber darum auf keinen Fall Menschen, die Dinge wirklich brauchen etwas wegzunehmen. Das können wir ethisch nicht vertreten.
2. Wir müssen auch keine Steuern zahlen, da es sich um Schenkungen handelt, solange uns nicht die gleiche Person mehr als 20.000 Euro innerhalb von 20 Jahren spendet (was unrealistisch ist).
¹Queerer Sex – zwischen cis-endo Männern und AMAB trans, inter und nicht-binären Personen war übrigens auch mal illegal und Schwangerschaftsbrüche sind es weiterhin. Dies zeigt, dass was illegal oder strafbar ist von gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen bestimmt ist und nichts über die Ethik von Handlungen aussagt.